The man who makes it up

Prospect Magazin | Juni 2023
TEXT: Katharina Gräser

Hollywoods Star-Modellierer Brian Wade ist zweifach Oscar-prämiert für seine Old-Age-Make-up-Modellagen in den Filmen Vice und The Eyes of Tammy Faye. Seit über 40 Jahren ist er als SFX Make up Artist/Modellierer in der Filmindustrie tätig. Seine wohl berühmteste Kreation ist die kleine Maus Stewart Little.

In einem Interview (hier gekürzt wiedergegeben) hat PROSPECT Brian Wand über seinen Werdegang, seine Mentoren, Herausforderungen im Beruf, die Zukunft der SFX-Maske im Film und über besondere Techniken und Revolutionen in der Industrie geprochen.

PROSPECT: Du arbeitest seit über vier Jahrzehnten in der Filmindustrie: Ist der Beruf für dich nach wie vor dein Traumberuf?

Brian Wade: Ich schätze mich für sehr glück- lich. Ich habe nach wie vor Freude an diesem Beruf von dem ich immer geträumt habe. Er macht das kleine Kind in mir glücklich. Ich arbeite mit vielen super kreativen Leuten zu- sammen und ich lerne immer noch viel.

Was war das Wichtigste, das du in die- sen 40 Jahren in der Industrie für dich lernen konntest?
Als ich jünger war, war es wichtig für meine Entwicklung mit Leuten zusammenzuarbeiten, die mehr Erfahrung hatten als ich selbst. Einige der Veteranen in der Industrie waren sehr großzügig und teilten ihr Wissen mit uns Jüngeren. Es ist wichtig, niemals aufzuhören, als Künstler zu lernen und zu wachsen. Und keinesfalls zu denken bereits alles zu wissen, sondern demütig zu sein. Denn: Es gibt im- mer jemanden, der besser ist als du selbst.

Gab es bestimmte Mentoren?
Absolut. Als ich ganz jung war, war ich be- sonders von Rick Baker inspiriert. Als ich 19 Jahre alt war, hatte ich das Glück, mit einem seiner Schüler, Rob Bottin, arbeiten zu dürfen. Von ihm habe ich gelernt, mehr Imagination zu entwickeln und mich über meine bisher möglichen Grenzen als Künstler hin- aus zu pushen.

Gibt es spezielle Herausforderungen in der Industrie?
Sicher … ich habe für Filme gearbeitet, bei denen der Zeitrahmen sehr knapp war. Das bedeutete z. B.: Für ein Jahr lang tägliches Arbeiten non-stop von 16-18 Stunden ohne einen Tag Pause, da es eine bestimmte Dead- line gab. Trotzdem muss man auch dabei ein gewisses Level an Qualität liefern. Es sind also speziell Herausforderungen mit Zeit und Qualität. Es fühlt sich manchmal wie ein Marathon an. Wenn dann alles vorbei ist, hat man das gute Gefühl, wirklich etwas geschafft zu haben.

SFX Make up und die Zukunft: Kannst Du uns etwas über Trends in Ma- ke-up und Computer Generated Images (CGI) sagen?
Ich kann nicht genau sagen, ob es ein Trend ist, aber erfreulicherweise ist die Partnerschaft der beiden Departments nun offen für eine Kombination aus Make-up und CGI. Die Zeiten als sich diese beiden Departments darüber stritten, welches die bessere Lösung für Effekte ist, sind vorbei und das macht das Endergebnis in vielen Fällen besser. Ich versuche immer mir selbst vorzustellen: „Was würde ich gerne sehen wollen?“ Und was auch immer nötig ist, diesen Effekt zu erreichen, sei es Make up oder CGI oder eine Kombination daraus, es ist immer das Ziel in dieser Industrie und allen Departments, etwas zu erschaffen, das natürlich oder realistisch rüberkommt.

Viel im Gespräch ist 3D Printing: kannst Du uns dazu etwas erzählen?
Printing ist mittlerweile definitiv Teil des Work Flows. In einem kürzlich abgeschlosse- nen Projekt hatten wir viele Aliens, die 3D designt wurden mit 3D geprinteten Positiven und Formenbau und alles was dazu gehört. 3D Printing ist sehr kostenaufwändig. Es kommt also auf das Budget der jeweiligen Produktion an. Printing wird üblicherweise für gewisse Vorteile benützt: zum Beispiel, wenn ein Schauspieler kein traditionelles Gesichts-Abgussverfahren über sich ergehen lassen möchte. Oder auch, wenn man einen Gesichtsabguss mit offenen Augen benötigt. 3D Printing hat aber noch nicht traditionelle Techniken komplett ersetzt. Es ist heutzutage üblich, alle für uns möglichen Techniken in eine Produktion zu integrieren und für das beste Endergebnis zu nützen.

Gibt es für dich spezielle Wünsche für die Zukunft?
Generell hofft man immer auf ein gutes nächstes kreatives Projekt. Was ich mir auch wünschen würde: zu reisen und mich inter- national mit anderen Künstlern außerhalb der USA in punkto Ideen und Techniken auszutauschen. Natürlich gibt es immer Filmregisseur:innen, mit denen man sich wünscht, zusammenzuarbeiten (lacht) und Schauspieler:innen. Generell bin ich für alles, was ich bis zum heutigen Tag tun durfte, sehr dank- bar. Ich möchte zumindest die nächsten 10, 15 Jahre damit weitermachen (lacht)

Nicht verpassen!

Brian Wade kommt im September 2023 für jeweils eine Character/Old Age Modellieren Masterclass nach Wien und Berlin:

Wien: 11. –15. September 2023
www.maske-wien.com
Berlin: 4. – 8. September 2023
www.kryolan.com

Katharina Gräser – Maskenbildnerin

Katharina Gräser ist langjährige Maskenbildne- rin, Ausbilderin und Leiterin der Maske Wien. In ihrer Diplomarbeit „Creatures Features“ an der Universität für angewandte Kunst befasste sie sich mit Hässlichkeit in der Spezialeffekte-Maske in Hollywood-Blockbustern.

www.maske-wien.com